W3C Print Symposium 2006
Heidelberg Print Media Academy, 17. und 18. Oktober 2006
mit freundlicher Unterstützung durch

und
Durch die ständig wachsende Verbreitung der W3C-Standards zur
Verarbeitung und Veröffentlichung von Inhalten aller Art wächst
gleichzeitig auch der Bedarf, solche Inhalte auf andere Medien zu
übertragen. Hierbei spielt insbesondere der Druck von Inhalten eine
wichtige Rolle. Das zweitägige W3C Print Symposium in den Räumen der Heidelberger Print Media Academy bot eine
außergewöhnliche Gelegenheit, sich über neue Trends in den Standards
und den Stand der
konkreten Unterstützung in aktuellen Produkten zu informieren. Die gut
60 Teilnehmer aus Europa, Asien und Amerika zeigten sich denn auch hoch
zufrieden.
Hochrangige Sprecher
Die Liste der Vortragenden dieser Veranstaltung las sich wie
ein Who-is-Who der internationalen Webstandards. Mit Bert Bos, Chris
Lilley und Liam Quin waren die drei Leiter der Arbeitsgebiete CSS,
Grafik und XML von W3C angereist, um über neueste Entwicklungen aus
ihren Arbeitsgruppen zu berichten.
Bert Bos,
der das Programm eröffnete, gab einen Überblick über
Cascading Style Sheets
(CSS) im Allgemeinen und CSS for Print im Besonderen.
Rechtzeitig zum Beginn des Symposiums hatte die CSS-Arbeitsgruppe neue
Working Drafts für die CSS-Module
Paged Media
und
Print Profile
veröffentlicht, deren Inhalte Bert Bos vorstellte. Hierbei ging es um
Themen wie automatisch generierte Inhalte und Verzeichnisse, um Fuß-
und Endnoten, mehrspaltiges Layout und erweiterte
Positionierungsmöglichkeiten für seitenbasierte Darstellung von
Inhalten. Anhand einiger Beispiele konnten die Zuhörer sich ein Bild
von der Mächtigkeit der kommenden CSS-Spezifikation machen, die
durchaus in den professionellen Druckbereich hineinreicht.

Wie mächtig CSS in Verbindung mit XHTML tatsächlich ist, zeigte im
anschließenden Vortrag Håkon Wium-Lie. Besser bekannt durch seine
Funktion als CTO von Opera Software, zeigte er auf dem Print Symposium
in seiner Eigenschaft als Vorstandsmitglied von YesLogic das Ergebnis
seines gemeinsam mit Bert Bos durchgeführten Projekts, ein Buch
über XHTML und CSS
in XHTML und CSS zu
verfassen und zu layouten. Sein Vortrag zeigte die
Möglichkeiten, durch Erweiterung der Standards um einige
wenige zusätzliche Elemente zur professionellen Satzergebnissen zu
kommen, die durchaus den Anforderungen des Buchdrucks genügen. Dass
diese Technologie den Entwicklungslaboren entwachsen und mittlerweile
praxisreif ist, zeigte Wium-Lie anhand der neuesten Version der
Layout-Software
Prince.
Daneben waren aber auch weitere Produkte aus diesem Bereich wie
RealObjects
PDFReactor
auf dem Symposium zu sehen.

Als dritter Sprecher gab Dean Anderson von der HP Imaging and Printing
Group eine Einführung in die neue Spezifikation XHTML Print, die
speziell für mobiles Drucken entwickelt wurde. Typisches Beispiel für
eine Anwendung dieser Technologie ist die Nutzung des Web auf einem
mobilen Endgerät (siehe auch W3C MWI), insbesondere das Drucken von
Webseiten auf ad-hoc genutzten Druckern, etwa über Bluetooth. Hier
bietet XHTML Print die Möglichkeit, ohne die aufwendige Installation
von Druckertreibern Inhalte sofort zu Papier bringen zu können.
Angesichts des Unterschieds zwischen (geringer) Bildschirmauflösung und
(hoher) Druckauflösung wird bewusst auf eine pixelgenaue
Wiedergabe verzichtet, um stattdessen einen hochqualitativen
Ausdruck zu erzeugen, der möglichst nahe an die Intention des
Quelltextes herankommt.

Neben textuellen
Inhalten widmet sich das W3C besonders dem Bereich Grafik. Als
Leiter dieser Aktivitäten gab Chris Lilley anschließend einen Überblick
über den Stand der Entwicklungen zum Thema Print im Bereich des
skalierbaren Vektorgrafikformats SVG. Mit der SVG Print Spezifikation
bietet auch diese Domäne einen Standard, der im professionellen Druck
eine zunehmend wichtige Rolle spielt. Dabei ist SVG Print keine eigene
Sprachvariante von SVG, sondern bietet vielmehr Erweiterungen und
Erklärungen zur Nutzung von SVG für den Druck. Bestimmte Eigenschaften
von SVG (wie etwa Animationen und Skripte) spielen für den Druck keine
Rolle, andere Aspekte (wie Farbprofile und Job-Kontrolle) fehlen in der
urpsprünglich für Webseiten entwickelten Spezifikation. Chris Lilley
konnte in seiner sehr aktuellen Präsentation die wichtigsten Punkte der
Spezifikation vorstellen und die Bedeutung von SVG als unmittelbares
Input-Format für Druckmaschinen zeigen.
- Foliensatz: An Introduction to SVG Print (folgt)

Einen Einblick in den praktischen Einsatz von SVG Print konnte im
Anschluss an Chris Lilleys Vortrag Andrew Shellshear von Canon
Information Systems Research Australia (CISRA) geben.
Dort beschäftigt man sich unter anderem mit der Implementierung von SVG
Print, und Andrew Shellshear hatte einige aktuelle Ergebnisse
mitgebracht. In seiner offenen Session stellte er außerdem die laufende
Arbeit vor und lud er die Teilnehmer ein, durch ihr Feedback Einfluss
auf die weitere Entwicklung zu nehmen.

Im
Anschluss
an die nachmittägliche Kaffeepause, die den Teilnehmern ausgiebige
Gelegenheit zum Networking bot, folgte der Vortrag von Liam Quin, dem
Leiter der XML-Aktivitäten des W3C. Sein Vortrag widmete sich der XML
Stylesheet Language XSL, insbesondere dem Sprachteil
Formatting Objects.
Mit XSL-FO hat W3C eine mächtige Beschreibungssprache für das Layout
von XML-Inhalten entwickelt, die von verschiedenen Programmen, den
sogenannten Layoutern, in Zielformate wie PDF, Postscript, DVI oder
verschiedene Grafikformate umgesetzt werden. Diese Spezifikation ist
besonders in Szenarien interessant, in denen große Datenmengen in
kurzer Zeit automatisch gesetzt und gedruckt werden müssen. Liam Quin
stellte die Highlights der Version 1.1 vor, beispielsweise die Arbeit
mit mehreren
Flows.

Den letzten Fachvortrag des Tages hielt Klaas Bals von Inventive
Designers. Seine Präsentation zeigte eindrucksvoll, wie XSL-FO
(besonders in Verbindung mit geeigneten Design-Werkzeugen) die
Verarbeitung von großen Dokumentenmengen dramatisch vereinfachen kann.
In verschiedenen Beispielen aus der Praxis stellte er herkömmliche
Verarbeitungsprozesse und die Ergebnisse der Einführung von XSL-FO
gegenüber und demonstrierte die Möglichkeiten, mit wenigen Mausklicks
einfache Designvorlagen zu erstellen und auch komplexere Templates in
relativ kurzer Zeit zu entwickeln.
Im Abschließenden Expertenforum hatten die Teilnehmer Gelegenheit,
weitere Fragen zu den Fachvorträgen zu stellen; eine Möglichkeit, die
auch für etwas generellere Diskussionen rund um die Standards des W3C
genutzt wurde.
